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"Die wichtigsten Kampfsportarten und -künste im Überblick" |

Aus dem traditionellen Bereich der asiatischen Kampfkünste werden in Halle vor allem verschiedene Formen von japanischem Karate angeboten. "Karate" bedeutet übersetzt "Leere Hand". Es entstand ursprünglich auf Okinawa, der Hauptinsel des damaligen Inselreiches Ryukyu, welche von japanischen Okkupanten besetzt wurde. Da während der Okkupation das Tragen jeglicher Waffen verboten war, entwickelten die Bauern aus Kampftechniken chinesischer Immigranten und eigenen überliefertem Kampftechniken eine Zweikampfmethode, welche bis heute als Kobudo bekannt ist. Dabei werden Arme und Beine zu schlagkräftigen Waffen ausgebildet und einfache Geräte der Feldarbeit zu Kampfinstrumenten umfunktioniert, welche in geübten Händen zu gefährlichen Waffen mutierten. Der gekürzte Stiel der Sense konnte als Tonfa (bei der Polizei heute als Winkelschlagstock bekannt) genutzt werde. Der Dreschflegel wurde zum Nunshaku, einer blitzschnellen, unberechenbaren Waffe. Die kurzen Sicheln, die Kamas, sind eine der wirkungsvollsten Waffen. Der Kurzstock Hanbo und der Langstock Bo waren eigentlich Tragehilfen für verschiedene Behältnisse. Erst Anfang dieses Jahrhunderts wurden die verschiedenen Karate-Stilrichtungen in Japan eingeführt und zu dem entwickelt, was das Karate heute darstellt. Die Unterschiede zwischen Shotokan-, Goju-Ryu- und Wado-Ryu-Karate lassen Sie sich besser von einem Trainingsmeister erläutern.
Eine besonders elegante Form der Selbstverteidigung ist das aus der japanischen Kampfkunst Jiu Jitsu entwickelte Aikido. Hier dominieren statt harter Techniken fließende Kreis- und Kugelbewegungen des Körpers. Mit diesen sollder Gegner aus dem Gleichgewicht gebracht werden. Aikido ist eine wirkungsvolle, ausschließlich auf die Verteidigung ausgerichtete Kunst, die gerade für körperlich schwächere oder ältere Sportler empfehlenswert ist.
Bezüglich der chinesischen Kampfkünste finden sich in unserer Stadt insbesondere Schulen, die Formen des Kung-Fu unterrichten. "Kung-Fu" steht dabei für das gute Gelingen einer Sache durch viel Fleiß und Arbeit. Den allgemeinen Bekanntheitsgrad bezieht Kung-Fu nicht zuletzt durch den Erfolg der Filme mit dem amerikanischen Schauspieler Bruce Lee in den 70er Jahren. Kung-Fu fasst die verschiedenen Stile des südchinesischen Boxens ohne Waffen zusammen. ...
Chinesische Kampfkünste allgemein werden unter dem Begriff Wushu zusammengefasst. Im alten China für den Angriff und Verteidigung gegen Mensch und Tier entwickelt, lehrt man heute an chinesischen Schulen den Kindern Wushu zum Zwecke der allgemeinen Körperertüchtigung, der (Festigung des Willens und der Selbstverteidigung. Die klassische Kampftechnik zeichnet
sich durch den Gegensatz fließender Arm- und Beinbewegungen und plötzlicher Kraftausbrüche aus. Die Vielzahl heute existierender Wushu-Stile lässt sich in zwei große Gruppen unterteilen - den Faustkampf und den Kampf mit Waffen. Zum Ersteren zählt auch das "Taichi Quan - Schattenboxen", dessen langsame harmonische Bewegungen insbesondere auch von Älteren und Kranken zu therapeutischen Zwecken genutzt werden. Die auch als "Gedankengymnastik" bezeichnete sanfte Sportart trainiert Körper und Geist zugleich und soll sogar heilend wirken.
Eine weitverbreitete Selbstverteidigungstechnik ist das in Korea entwickelte Taekwondo, das dem japanischen Karate ähnlich ist. Es legt im Vergleich größeren Wert auf Sprünge, Wendungen und blitzschnelle Fußstöße. In der akrobatisch anmutenden Sportdisziplin Taekwondo werden seit 1973 Weltmeisterschaften ausgetragen. Wohl jeder hat bereits einmal bei Show-Vorführungen die sehr publikumswirksamen sogenannten "Bruchtests" an Brettern oder Ziegelsteinen erlebt, welche die enorme Schlagkraft der Hände und Füße eindrucksvoll demonstrieren.
Stellen die bisher genannten Stile traditionelle Kampfkünste dar, wobei der Begriff "Kunst" darin bereits auf die Ausrichtung auf eigene körperliche Vervollkommnung hinweist, ist das Kickboxen ein moderner Kampfsport, der Kick-Elemente asiatischer Kampfkünste mit dem europäischen Boxen verbindet. Hier gibt es sportliche Regelwerke, öffentliche Wettkämpfe sind Ziel des Trainings.
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![]() | Als Wladimir O. Dexbach 1982 nach Deutschland kam, war Halle in Bezug auf Kampfsport absolutes Niemandsland. Viele Meister, die heute eigene Schulen betreiben, haben bei ihm ihre ersten Schritte gemacht. Wladimir Dexbach trägt heute den 7. Dan im SHORAI-DO KEMPO, einem Stil, den er gemeinsam mit seinem Meister aus Russland konzipierte. |
Derjenige, der nun konkret Kampfsport betreiben will, wird sich fragen: Aber wie finde ich das Richtige für mich? Eine eindeutige und endgültige Antwort wird es wohl nicht geben. Wichtig ist nur, dass man es wirklich will. Denn ohne Disziplin und Ausdauer sind Erfolge bei der Herausbildung und Vervollkommnung der Selbstverteidigungsfähigkeit nicht möglich. Nur wer durchhält kann diese ungeahnten Kräfte entwickeln. Wladimir 0. Dexbach, Hallenser Kampfsportgröße und Begründer des SHORAI-DO KEMPO sieht es so: "Jeder hat doch schon von den riesigen Kraftpotential gehört, das jemand entwickelt, der sich in einer lebensbedrohlichen Situation befindet. Diese Kraft zur Selbsterhaltung wird im Kampfsport kanalisiert und ausgenutzt. Das geht aber nicht von heute auf morgen". Es ist ohnehin ein Faktum, dass Kampfsportler nie zur absoluten Perfektion gelangen. Noch im Sterbebett übte einst eine Kampfsportlegende (88 Jahre) Handtechniken, um festzustellen: Endlich verstehe ich sie.
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(Auszüge aus "Fritz - Das Magazin für Halle und Umgebung", Januar 2000, S. 11 ff)
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