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将来道拳法流 日本Sensei Carsten Köwitsch. 1.Dan 431-0102
Shizuoka-ken Hamana-gun Yuto-cho 〒431-0102
静岡県浜名郡雄踏町宇布見9556-8 カーステン・クービッチ様 |
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Bericht über den Japanaufenthalt
in Tôkyô
April 2002 bis Februar 2003
Übersicht
| Da bereits schon einige Fotos von mir auf die Shôrai- Dô- Kempô Homepage gestellt wurden und sich sicherlich schon viele Leute gefragt haben, wer das überhaupt ist, der von Shôrai- Dô- Kempô in Japan ist, möchte ich mich im folgenden erst einmal vorstellen. Außerdem möchte ich die Gelegenheit nutzen, um zu erläutern, warum ich überhaupt in Japan bin und wie es hier ist. Vielleicht ist für den einen oder anderen dieser kurze Bericht über meinen Japanaufenthalt recht interessant. Die Informationen werden sich sicherlich mit den Beiträgen in den Foren der Shôrai- Dô- Kempô Homepage und der Daigaku- Bugei- Gendai Homepage von Soke Heinz Koehnen decken, aber vielleicht kann ich noch neue Eindrücke ergänzen. Dies soll meine Absicht in den nächsten Abschnitten sein. |
| Meine Name ist Carsten Köwitsch und ich trainiere seit Sommer 1992 im Shôrai- Dô- Kempô Dôjô Bad Wildungen bei Sensei H. C. Bogunski. Im März 2002 habe ich die Prüfung zum ersten Kyû abgelegt. Seit Oktober 1999 studiere ich den Diplomstudiengang "Regionalwissenschaften Japan" an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Aufgrund meines Umzuges in das von Bad Wildungen zweieinhalb Stunden entfernte Bonn konnte ich nicht mehr regelmäßig am Training in meiner Heimatstadt teilnehmen, woraufhin ich mir von der Universität Bonn eine Hallenzeit geben ließ. In diesem Dôjô Bonn trainierte ich mit interessierten Mitstudenten meines Studienganges, die jedoch nach und nach zum Sprachstudium nach Japan gingen. Seit Ende März 2002 studiere auch ich in Japan und zwar am Zentrum für japanische Sprache an der Waseda-Universität in Tôkyô. Dieses Sprachstudium wird noch bis zum Februar 2003 dauern. |
3) Kurzer Bericht über die Ankunft in Japan
| Als ich Ende März 2002 am Flughafen in Tôkyô ankam und mit zwei Mitstudenten aus Bonn, die auch in Tôkyô studieren, die Bahn hinein in die Innenstadt nahm, war ich überwältigt, wie wahrscheinlich jeder, der das erste Mal nach Japan kommt. Alles war vollkommen neu: die Häuser, die Autos, die vielen Menschen, das Essen, die riesige Leuchtreklame und so weiter. Dazu kam noch, dass alles in japanischer Sprache geschrieben war, die ich zwar bereits angefangen hatte zu lernen, aber die ich in dieser Fülle noch nie gesehen hatte. Um es kurz zu machen, ich wusste gar nicht, wo ich zuerst hingucken sollte. Dieser Zustand hielt auch noch ungefähr die ersten zwei bis drei Wochen an, aber nach dieser Zeit wusste ich wenigstens, in welchen Geschäften man einkaufen kann und wie man mit der U- Bahn von A nach B kommt. Außerdem waren die unterschiedlichen Verhaltensweisen zum Beispiel bei Begrüßung und Verabschiedung oder bei der Vorstellung anfangs sehr ungewohnt. Und ich war überrascht von den Ausmaßen der Stadt Tôkyô. Ich wusste zwar, dass es eine der größten Städte der Welt ist, wenn nicht sogar die größte, aber darüber bescheid zu wissen und dort zu leben sind zwei völlig unterschiedliche Dinge. Man gewöhnt sich jedoch schnell an das Leben in Japan und in Tôkyô, so dass es mir jetzt nach ca. 7 Monaten keine nennenswerten Probleme mehr bereitet. Mitte April fing für mich der Unterricht an der Universität an, so dass ich mich auch auf das Lernen der Sprache konzentrieren musste und viele Leute aus der ganzen Welt kennenlernte. Anfangs war ich sehr überrascht, wie viele Nicht-Japaner wirklich gut Japanisch sprechen können, aber mit der Zeit wird einem klar, dass es eine Sprache ist wie jede andere; mal abgesehen von den vielen Zeichen. Ich hatte Glück, dass ich ziemlich schnell viele japanische Freunde fand, mit denen ich mich immer noch häufig zum Sprachaustausch treffe, und mit denen ich auch oft zusammen Sehenswürdigkeiten ansehe. |
4) Erfahrungen mit Kampfkunst in Japan
| Eine neue Kampfkunst und noch mehr Japaner kennenzulernen war auch der Grund, warum ich mich entschied, einem Universitätsverein beizutreten. Aber es war nicht so einfach etwas Passendes zu finden, da es zum einen keine Schule von Shôrai- Dô- Kempô in Japan gibt und zum anderen Schulen außerhalb der Universität sehr teuer sein können. Außerdem suchte ich eine Schule, in der ähnlich wie in Bad Wildungen ernsthaft an das Training und die Vermittlung der Hintergründe herangegangen wird und auch die Form der Trainingsabläufe meinen Vorstellungen entspricht. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten, die mit Sprachproblemen sowie mit der Unkenntnis der Trainingsmethode von japanischen Universitätsklubs zusammenhingen, entschied ich mich für den Aikidô- Klub. Hierbei bin ich auch geblieben, da mir die Art, wie die Kampfkunst gelehrt wird, sehr zusagt. Ich kann viele Parallelen zum Shôrai- Dô- Kempô Training in Deutschland erkennen, da hier die Kampfkunst als Kunst und nicht als Sport betrachtet und gelehrt wird. Das Training findet im Honbu- Dôjô des Aikikai (Name des Aikidô- Verbandes) unter der Aufsicht von Sensei Tada und Sensei Tsuboi statt. Da Sensei Tada vor über 50 Jahren in seiner Studentenzeit an der Waseda-Universität mit dem Aikidô-Training begonnen hat, beaufsichtigt er ab und zu das Training des Waseda-Aikidô-Klubs. Auch Sensei Tsuboi ist Absolvent der Waseda-Universität und leitet den Unterricht jeden Donnerstag und Samstag. Außerhalb dieser Zeiten wird der Unterricht von einem Sempai des Waseda-Klubs geleitet. Die Trainingszeit beträgt täglich ungefähr eineinviertel Stunden. |
4.2) Sempai-Kôhai-System in Japan
| Interessant ist das Sempai-Kôhai-System, dass im Dôjô wie auch außerhalb des Trainingsraumes gilt. Sempai sind diejenigen Studenten, die schon im dritten oder vierten Jahr an der Universität studieren und somit bereits eine höhere Graduierung haben. Sie bringen den Kôhai, denjenigen Studenten, die gerade an die Universität gekommen und in den Klub eingetreten sind, die Techniken bei und kümmern sich um sie während und außerhalb des Trainings. Als Gegenleistung müssen die Kôhai den Sempai den entsprechenden Respekt entgegenbringen, was sich unter anderem durch den Gebrauch der japanischen Höflichkeitssprache und das Fegen des Dôjô nach dem Training äußert. Auch außerhalb des Universitätsalltages gab es einige Unternehmungen zusammen mit dem Waseda- Aikidô- Klub. So waren wir zum Beispiel als Zuschauer bei der Nationalen Aikikai Aikidô- Gala, von der auch Bilder auf der Shôrai- Dô- Kempô Homepage zu finden sind. An einem anderen Datum wurde die traditionelle Einführung der neuen Mitglieder des Aikidô- Klubs durchgeführt. Ereignissen wie diesen wird große Bedeutung beigemessen, was unter anderem bedeutet, dass man angemessen gekleidet zu erscheinen hat. Im Anschluss an solche Veranstaltungen sowie auch ab und an nach dem Training geht man zum gemeinsamen Trinken geschlossen in eine Bar oder ein Restaurant, was den Zusammenhalt der Gruppe fördert. Auch wenn der Rahmen hier nicht mehr so streng ist, gilt dennoch das oben beschriebene Sempai - Kôhai- System. Dies führt dazu, dass die Sempai die Rechnung übernehmen, sodass kein Kôhai an das Bezahlen denken muss. Nach dem japanischen System werden die Kôhai später zu Sempai, die genau das gleiche für ihre Kôhai tun müssen und so ihre "Schulden abbezahlen". Ausländer sind von diesem System nicht ausgeschlossen; und da dieses Thema in Budô- Klubs in Japan sehr streng gehandhabt wird, kann es mitunter recht anstrengend und unangenehm sein, seinen Sempai beizubringen, dass man lieber selbst zahlen möchte, da man aufgrund der einjährigen Zeitbegrenzung des Auslandsstudiums nie zum Sempai aufsteigen wird. In den meisten Fällen kann man sowieso nichts ändern. Für Ausländer besteht eine weitere Besonderheit des Sempai - Kôhai- Systems darin, dass ein japanischer Sempai meist jünger ist als ein Student aus dem Ausland. Studenten fangen in Japan mit ca. 18 Jahren an zu studieren, sodass sogar die Studenten im vierten Studienjahr jünger sind als ich. Nichts desto trotz muss Höflichkeitssprache verwendet und dem Sempai Respekt entgegengebracht werden. Dies empfinde ich trotz des Altersunterschiedes als korrekt, da ich schließlich ein Anfänger bin. Auch in Deutschland sind die Anfänger den Sempai gegenüber höflich, da diese bereits Erfahrungen sammeln konnten und den "Neuen" helfen, sich zurechtzufinden. |
4.3) Halbjährige Überprüfung und Analyse
| Am Ende eines Semesters wird eine Vorführung veranstaltet, bei der jedes Mitglied zeigen soll, wie es sich im letzten halben Jahr verbessert hat. Die vorgeführten Techniken werden auf Video aufgenommen und im Anschluss an diese Veranstaltung wird mit allen Mitgliedern eine Analyse des Semesters durchgeführt. Hierbei wird jedem unter anderem ein Zettel überreicht, auf dem festgehalten ist, wie oft er insgesamt beim Training war und wie oft dies auf eine Woche genau umgerechnet ist. Wie oben beschrieben, wird vieles im Klub mit sehr viel Ernsthaftigkeit durchgeführt; so auch die Anwesenheit. Mindestanforderung an die neuen Mitglieder ist dreimal Training pro Woche, aber das Training findet sechsmal in der Woche statt. Viele Klubmitglieder gehen somit auch sechsmal in der Woche zum Training. Jeder muss sich zu seiner Anwesenheit/Abwesenheit beim/vom Training äußern, ungeachtet dessen, wie oft er teilgenommen hat. Plausible Entschuldigungen werden selbstverständlich akzeptiert. In meinem Fall führte ich mein vorrangiges Ziel an, die japanische Sprache möglichst gut lernen zu wollen, was sehr zeitintensiv ist und weshalb ich nicht immer zum Training erscheinen konnte. |
| In den Semesterferien fährt der Aikidô- Klub für ungefähr eine Woche ins Trainingslager, an dem fast alle Mitglieder teilnehmen. Während dieser Zeit werden auch die meisten Gürtelprüfungen durchgeführt. Für diejenigen, die nicht mit in das Trainingslager fahren konnten, werden die Prüfungen zu einem späteren Termin veranstaltet. Da ich jedoch Besuch über die Sommerferien hatte, konnte ich an dem Trainingslager nicht teilnehmen. Darüber hinaus habe ich erfahren, dass die Sensei des Klubs planen, nächstes Jahr im Sommer mit den Studenten nach San Francisco ins Trainingslager zu fahren. |
4.5) Gürtelprüfungen im Waseda Aikidô- Klub
| Im Waseda- Aikidô- Klub gibt es fünf Kyû- Grade und dann die Dan- Grade. Die Kyû- Grade unterscheiden sich jedoch rein äußerlich nicht voneinander, da alle bis zum Shodan (erster Dan) einen weißen Gürtel tragen. Ab Shodan trägt man einen schwarzen Gürtel und einen Hakama. Im Aikidô- Klub der Waseda werden aber die Prüfungen für 5. und 4. Kyû nicht durchgeführt, was dazu führt, dass die meisten Neuanfänger im ersten Trainingslager die Prüfung zum 3. Kyû ablegen. Die nächste Stufe ist der 1. Kyû, da die Prüfung für den 2. Kyû auch nicht abgenommen wird. Dies hat zur Folge, dass im Normalfall ein neues Mitglied nach einem halben Jahr den dritten Kyû, dann im zweiten Jahr an der Universität den ersten Kyû macht; und im dritten Studienjahr kann man an der Prüfung für den ersten Dan teilnehmen. Ich habe bis jetzt noch keine Prüfung gemacht, da ich auch am Trainingslager nicht teilgenommen habe und auch aus oben beschriebenen Gründen nicht sechsmal pro Woche am Training teilnehmen kann. Außerdem fühle ich mich nach einem halben Jahr auch noch nicht reif genug, um eine Prüfung zum dritten Kyû abzulegen. Aber die Sensei zweifelten anfangs auch, ob sie für meinen deutschen Mitstudenten an der Waseda- Universität, der den dritten Kyû in Deutschland nach 4 Jahren bekam und überaus regelmäßig zum Waseda- Training gegangen war, die Prüfung zum ersten Kyû abnehmen sollten. Die Begründung war, dass es in Deutschland schwerer sei, einen nächst höheren Grad zu bekommen. Schließlich konnte er die Prüfung doch machen und sagte nachher, dass sie zwar nur 15 Minuten, im Gegensatz zu 40 Minuten in Deutschland, gedauert habe, aber dass er auch Techniken zeigen musste, die nicht in der deutschen Prüfungsordnung stehen. Andererseits wurden aber auch Techniken gefragt, die zwar in Deutschland aber nicht in Japan gefordert werden. Die verkürzte Prüfungszeit ist sicherlich ein Ergebnis der Tatsache, dass Sensei Tsuboi als technischer Leiter des Waseda- Aikidô- Klubs jeden Schüler sehr gut kennt und die Prüfung somit lediglich Formsache ist. |
4.6) Shôrai- Dô- Kempô Training
| Neben dem Aikidô- Training an der Waseda- Universität trainiere ich noch einmal pro Woche für mich allein Shôrai- Dô- Kempô. Dieses Training findet im Gebäude der Studentenschaft statt, in dem auch andere Studenten für ihre Hobbys, wie zum Beispiel ein Instrument oder Theateraufführungen, üben. Da ich keine spezielle Halle bekommen konnte, übe ich in dem Vorraum des Fitnesscenters, der genug Platz bietet, um Shôrai- Dô- Kempô zu trainieren. Vom Aikidô- Klub kann ich mir ein Bokken (Bokutô) ausleihen, mit dem ich dort auch Kata übe. Anders als erwartet, ist es so, dass sich niemand an meinem Training stört, da alle ihren Lieblingsbeschäftigungen nachgehen. |
5.1) Tempel und Schreine in Tôkyô
| Um kulturelle Sehenswürdigkeiten in Tôkyô zu entdecken, muss man zwar schon etwas suchen, aber es gibt sie auch in der Weltmetropole. Man kann zum Beispiel schöne Schreine und Tempel besichtigen. Die größeren unter ihnen haben Parkanlagen, in denen man gemütlich spazieren gehen kann. Zu diesen großen Komplexen zählen der Meiji- Jingu, der Yasukuni- jinja, der Zôjô- ji und der Sensô- ji. Neben diesen gibt es Anlagen, die sehr viel kleiner und nicht so bekannt, aber keineswegs weniger interessant sind. Hierzu zählt auch der Sengaku- ji, in dem die 47 Rônin beerdigt sind. Ab und zu kann man auch zufällig einen kleinen Schrein oder Tempel in einem Wohngebäudekomplex entdecken, wobei dann in einer Nische zwischen Hochhäusern ein kleiner Altar aufgebaut ist. In der Gegend von Nippori im Nord- Osten von Tôkyô gibt es bauten die aus der Edo- Zeit stammen. Auch dort gibt es eine Vielzahl von kleineren Tempel- und Schreinanlagen, die zum Teil sehr schöne Gartenanlagen haben. |
5.2) Überbleibsel aus früheren Jahrhunderten
| Außerhalb von Nippori kann man im Nord- Westen von Tôkyô in Kawagoe Gebäude aus der Edo- Zeit (1603 - 1868 n. Chr.) betrachten. Hierbei handelt es sich um frühere Wohnhäuser, deren Fassade erhalten ist, in denen sich in der heutigen Zeit aber Geschäfte befinden. Auch hier sind zahlreiche kleine Tempel und Schreine zu finden. Des weiteren kann man in Tôkyô den Palastgarten des Kaiserpalastes besichtigen. Den Kaiserpalast darf der normale Buerger nur zweimal im Jahr betreten. Dies ist am 23.12., dem Geburtstag des Kaisers, und am 2.1. eines jeden Jahres der Fall. Dennoch gibt es in diesem Park auch außerhalb dieser Tage etwas zu sehen. Ich finde den großen Wassergraben, der den Kaiserpalast umgibt, sehr interessant, da zum Schutz vor Feinden Wachtürme gebaut wurden. Über große Brücken gelangt man durch alte, stabile Tore in den Palastgarten. Eine Sehenswürdigkeit im Inneren ist der Bergfried der Burg von Edo, die jedoch zerstört wurde. Außerdem gibt es einen schönen japanischen Garten innerhalb der Parkanlagen, in dem Pflanzen aus allen Präfekturen Japans zu finden sind. |
| In Tôkyô gibt es natürlich unter anderem auch viele Museen, die über frühere Zeiten in Japan informieren. Von besonderem Interesse sind dabei für mich Museen, in denen Schwerter und Waffen ausgestellt werden. Jedoch gibt es diese nicht in Hülle und Fülle, wie man vermuten könnte, wenn man nach Japan kommt. Man muss zwar etwas suchen, aber wenn man etwas findet, sind fast nur interessante Gegenstände ausgestellt. Gelegentlich gibt es auch Ausstellungen, bei denen sich Leute einfinden, die sich für den Kauf eines Schwertes oder anderer Gegenstände interessieren. Bei solchen Ausstellungen kann man Rüstungen, Helme und Waffen bestaunen. Der teuerste Gegenstand, den ich bis jetzt gesehen habe, war ein Katana, das zu Beginn der Kamakura- Zeit gefertigt wurde. Dieses ca. 800 Jahre alte Schwert kostete 17.000.000 Yen, also ungefähr 142.000 Euro. Dieses Schwert war selbstverständlich in einer speziellen Vitrine gesichert. Gewundert hat mich jedoch, dass die meisten Schwerter nicht eingeschlossen waren und es auch keinerlei sonstige Sicherheitsvorkehrungen gab. Wie sich nämlich später herausstellte, waren alle Klingen scharf und befanden sich hinter Absperrungen, die von Besuchern der Messe leicht zu überwinden gewesen wären. Wenn sich jemand genauer für ein Schwert interessierte, durfte er sogar die Waffe in die Hand nehmen, um die Klinge genau betrachten zu können. Jedoch war ich der einzige ausländische Besucher und mein japanischer Freund und ich waren die einzigen jungen Leute auf der Messe. |
5.4) Interessante Orte in der Nähe von Tôkyô
| In der Nähe von Tôkyô kann man die Städte Nikkô und Kamakura innerhalb eines Tagesausfluges erreichen. In Nikkô gibt es sehr viele prunkvolle Tempel- und Schreinanlagen, in denen sich auch als Holzschnitzerei die drei berühmten Affen von Nikkô befinden, die dem Sprichwort "nichts sehen, nichts hören und nichts sagen" Ausdruck verleihen. Sie befinden sich in einer Art Bildfolge, in der das Leben des Menschen in seinen verschiedenen Stadien mit Affenmotiven dargestellt ist. Außerdem kann man die Gräber der berühmtesten Tokugawa- Shôgune, nämlich Tokugawa Ieyasu und Iemitsu, besichtigen. Da Nikkô sehr bekannt ist, ist es von japanischen und ausländischen Touristen geradezu überlaufen, was die stimmungsvolle Atmosphäre der sehr interessanten Sehenswürdigkeiten etwas zerstört. In Kamakura hingegen, das noch viel näher an Tôkyô liegt als Nikkô, kann man abseits der berühmten Tempel und Schreine auch sehr schöne und große Anlagen finden, in denen man die ruhige Atmosphäre genießen kann. Kamakura wurde von Minamoto Yoritomo, dem ersten Shôgun Japans, als seine Hauptstadt ausgewählt. Aus diesem Grund befinden sich dort viele geschichtlich interessante Orte, wie zum Beispiel der Hachiman- gu, der dem Kriegsgott zu Ehren errichtet wurde. Außerdem befindet sich der zweitgrößte Buddha Japans in Kamakura. Ich war insgesamt bereits dreimal in Kamakura, und da ich festgestellt habe, dass man jedes Mal etwas Neues entdecken kann, werde ich sicherlich noch einige Male dorthin fahren. |
5.5) Kansai- Region in Westjapan
| Sehr interessant war auch die Reise nach Kyôto, Nara und Himeji, die ich mit meiner Freundin unternommen habe. In diesen Städten kann man sehr viele traditionelle, kulturelle Seiten Japans entdecken. So besuchten wir zum Beispiel in Kyôto den Steingarten des Ryôan- ji, den Silbernen und den Goldenen Pavillon und das Nijô- Schloss, das die Tokugawa- Familie in Kyôto erbauen ließ. Des weiteren sahen wir den Tôfuku- ji, Kiyomizu- dera und den Tô- ji, die alle eine sehr schöne Gartenanlage haben, sowie den alten Kaiserpalast von Kyôto. In Nara besuchten wir unter anderem den Hôryû- ji, den ersten buddhistischen Tempel Japans, der im 7. Jahrhundert von Shotoku Taishi gegründet wurde. Außerdem sahen wir den größten Buddha Japans im Tôdai- ji. Den absoluten Höhepunkt dieser Reise nach Westjapan stellt aber die Besichtigung der Burg von Himeji dar. Diese Burg unterscheidet sich von den anderen Burgen Japans, die nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg recht schmucklos wieder aufgebaut wurden. Da sie eine der noch original erhaltenen Festungen ist, ist sie, dank originalgetreuer Restaurierung, ein gutes Anschauungsbeispiel für eine echte japanische Burg. Man konnte die Wehrgänge, den Burghof und das Innere der Burg besichtigen. Außerdem sind im Inneren noch Ausstellungsstücke, wie zum Beispiel Waffen, Rüstungen und Schriftstücke zu finden, die das Leben in der Burg sowie ihre Geschichte illustrieren und erklären. |
5.6) Traditionelle Stadtfeste in Tôkyô
| Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass meine Mitbewohner und ich die Möglichkeit hatten, am Omikoshi- Fest teilzunehmen, bei dem ein Schrein durch die Nachbarschaft getragen wird. Die Zimmer in dem Haus, in dem wir wohnen, werden schon seit 18 Jahren an Deutsche vermietet. Da der Vermieter schon 85 Jahre alt ist, und deswegen das Oberhaupt unserer Nachbarschaft ist, konnte er es arrangieren, dass die Ausländer, die bei ihm wohnen, an diesem Fest teilnehmen können. Zu diesem Zweck hat er uns schon zwei Wochen vor dem Fest traditionelle Kleidung (Happi) übergeben, die wir tragen sollten. Sie ähnelt dem Oberteil des Dôgi (Anzug) beim Shôrai- Dô- Kempô. Darunter wird eine kurze Hose getragen. Außerdem gehört noch ein Stirnband dazu. Früh am Morgen gingen wir zu dem Platz, an dem die gesamten Schreine der Nachbarschaft zum Tragen bereitgestellt waren. Jeder Schrein wurde vor dem Tragen von einem Shintô- Priester gereinigt, und uns wurde vorher kurz die beste Tragetechnik erklärt. Ungefähr 20 Männer und Frauen schulterten den auf dicken Holzbalken befestigten Schrein und fingen an, sich in einem ungewohnten Rhythmus fortzubewegen. Dabei wurden nur sehr kleine Schritte gemacht, sodass man nicht von der Stelle zu kommen schien. Außerdem wurde der Schrein beim langsamen Gehen jedes Mal mit einem laut ausgerufenen "SAAA" auf und ab bewegt, was dazu führte, das die Schulter nach einiger Zeit anfing zu schmerzen und man von einem Helfer ausgewechselt werden musste. Zwischendurch wurde auch pausiert und man bekam Bier oder Tee sowie etwas zu essen. Hier gab es auch genug Gelegenheit sich mit den anderen japanischen Teilnehmern zu unterhalten. Vor jedem Haus einer Familie, die die Getränke und das Essen für eine solche Pause spendiert hatte, wurde der Schrein heftig durchgeschüttelt. Das Fest dauerte von morgens bis abends wobei der Schrein durch die ganze Nachbarschaft getragen und so allen gezeigt wurde. Gegen Ende des Festes hatten sich die japanischen Teilnehmer in eine Art Ekstase getanzt, und die Erschöpfung und Schmerzen schienen verschwunden zu sein. Nach der Veranstaltung wurden alle Träger zu einem großen japanischen Essen vor dem Hauptschrein der Nachbarschaft eingeladen. Außer des Omikoshi- Festes hatte ich noch Gelegenheit mit Freunden, den traditionellen japanischen Straßentanz zu sehen. Hierbei versammeln sich Gruppen aus ganz Tôkyô und führen Tänze zu lauter Trommel- und Flötenmusik auf. Die Abfolge ist immer gleich. Dabei tragen sie Happi und Yukata, die traditionelle japanische Kleidung. Die Zuschauer kommen häufig in Yukata und Kimono zu diesen Veranstaltungen und belohnen die Tänzer mit Applaus, wenn sie eine schwierige Passage elegant gemeistert haben. Diese Feste finden im Sommer sehr häufig statt. |
| Ein weitere eindrucksvolle Erfahrung habe ich gemacht, als ich bei der Mutter eines Freundes, die Sadô- (Teezeremonie) Meisterin ist, an einer Zeremonie im familieneigenen Teezimmer teilnehmen durfte. Bedeutung von Reinigung, Verhaltensweisen, Redewendungen und Bewegungen sowie der Aufbau des Teezimmers wurden mir sehr genau erklärt, und ich konnte viele interessante Eindrücke sammeln. |
| Die japanische Kultur und die japanischen Sehenswürdigkeiten sind zwar sehr schön, aber es gibt auch Sachen, die mir nicht gefallen. Beispielsweise stört mich die Tatsache, dass große Tempel- und Schreinanlagen aufgrund ihrer Berühmtheit von Touristen überströmt werden, und man so die gesuchte ruhige Atmosphäre nur selten finden kann. Selbstverständlich kann man dies nicht ändern; man kann lediglich versuchen, den vielen Touristen aus dem Weg zu gehen, indem man weniger bekannte Sehenswürdigkeiten besucht. Außerdem störend empfinde ich, dass es innerhalb vieler der großen Schrein- und Tempelanlagen Verkaufsautomaten und mindestens einen Stand für Souvenirs gibt. Diese offensichtliche Vermarktung und Ausrichtung auf Tourismus ist eine Erfahrung, die ich lieber nicht gemacht hätte. |
| Wie natürlich jeder weiß, ist Japan ein modernes Land wie Deutschland und es ist keineswegs so, dass sich jeder Japaner für die Tradition und die Geschichte seines Landes interessiert. Vor allen nicht die jungen Japaner. Bei den meisten ist das Interesse eher gering. Aber ich habe auch Freunde gefunden, die sich sehr wohl für ihre eigene Kultur interessieren und zum Beispiel Kalligraphie (Shodô) lernen, in japanische Geschichtsmuseen gehen, Bücher zu japanischer Geschichte und japanischen Künsten lesen oder Mitglied im Religionszirkel der Universität sind und sich für Buddhismus und Schintoismus interessieren. Bei älteren Japanern ist das Bewusstsein für die eigene Geschichte, Tradition und Kultur ihres Landes noch stärker spürbar. Zum Beispiel hat ein freundlicher älterer japanischer Herr für meinen Freund und mich eine Führung durch Kamakura, seine Heimatstadt, gemacht. Er hat uns an interessante Stellen geführt und uns Geschichten erzählt, die wir wohl ohne ihn niemals entdeckt bzw. gehört hätten. Ursprünglich hatten wir diesen älteren Japaner nur nach dem Weg zu einem Schrein gefragt, aber da er merkte, dass wir uns für sein Land und seine Stadt interessieren, lud er uns ein, mit ihm zu kommen. Nachdem er uns die weniger bekannten, aber deshalb nicht weniger interessanten Sehenswürdigkeiten gezeigt hatte, führte er uns noch zur nächsten Bushaltestelle und empfahl uns noch ein gutes japanisches Restaurant in der Nähe des Bahnhofes. Traditionelles ist in diesem hochtechnisierten und hochindustrialisierten Land natürlich nicht überall zu finden; vor allem nicht überall in Tôkyô. Aber wenn man genau sucht, entdeckt man das traditionelle und alte Japan, über das man schon viel gehört hat. Folgenden Rat hat mir Shihan W. O. Dexbach ziemlich am Anfang meines Japanaufenthaltes gegeben: "Halte Deine Sinne immer geöffnet für neue Erfahrungen und Eindrücke in der fremden Kultur." Ich habe gemerkt, dass in Japan, das nun einmal auf der anderen Seite der Welt ist, manches eben etwas anders ist, als man es sich vorstellt. Daran kann man auch nichts ändern, sondern man muss sich mit den Gegebenheiten arrangieren. Japan hat einem viel zu bieten, wenn man sich sowohl auf das Land und die Menschen, als auch auf die Sitten und Bräuche einlässt. Diese Erfahrung habe ich gemacht, und es gefällt mir ausgesprochen gut hier. |
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