Newsletter der International Okinawa Budo Federation 27. April 2004

Termine

Mai 2004 Juni 2004 Juli 2004
15.05.2004, Samstag
14:00 Uhr - 17:00 Uhr
Lehrgang für Kids in Elzach mit Soke H. Köhnen
05.06.2004, Samstag
14:00 Uhr - 19:00 Uhr
Shiatsu - Lehrgang Teil II
Teil II des Shiatsu - Lehrgangs für die Teilnehmer am ersten Teil.
Schwerpunkte: Massagetechniken, Anwendung von Shiatsu bei bestimmten Beschwerden usw.

06.06.2004, Sonntag
11:00 Uhr - 16:00 Uhr
Shiatsu - Lehrgang Teil II
Fortsetzung des II. Teils der Shiatsu Ausbildung

19.06.2004 - Halle/Saale
14. Traditioneller SHORAI-DO KEMPO-Cup für Kinder und Jugendliche in Halle (Saale)
Veranstaltung im Rahmen der 13.Stadt-Sport-Spiele der Stadt Halle (Saale)


26.06.2004, Samstag
14:00 Uhr - 19:00 Uhr
Bujutsu-Lehrgang in Elzach
Bujutsu-Lehrgang mit Soke H.Köhnen in Elzach
03.07.2004, Samstag
14:00 Uhr - 19:00 Uhr
Stiloffener Bujutsu - Lehrgang
stiloffener Bujutsu-Lehrgang mit Soke H. Köhnen

04.07.2004, Sonntag
10:00 Uhr - 16:00 Uhr
Stiloffener Bujutsu - Lehrgang
Stiloffener Lehrgang mit Soke H. Köhnen

10.07.2004. Samstag
stilübergreifender Lehrgang in Mannheim

11.07.2004. Sonntag
stilübergreifender Lehrgang in Mannheim

30.07.2004, Freitag
Bujutsu - Lehrgang in Wien
31.07.2004, Samstag
Bujutsu - Lehrgang in Wien
 
August 2004 September 2004 Oktober 2004
01.082004, Sonntag
Bujutsu - Lehrgang in Wien


07.-16. August 2004

Budocamp in Weißwasser mit Soke Heinz W.Köhnen ,9.Dan und Shihan Wladimir O.v.Dexbach,7.Dan.

28. August 2004, Samstag
Shiatsu - Lehrgang
Teil III für die Teilnehmer an I und II
11. September 2004
Kata - Lehrgang in Freiburg

12. September 2004
Wettkampf-Kata, speziell f. Kampfrichter

25.September 2004

4. "German Black Belt Open" - 4. Deutsches Danträger-Turnier in Halle (Saale)
02.Oktober 2004, Samstag
Trainer-Lehrgang in Freiburg - Fortsetzung der Ausbildung

03.Oktober 2004, Sonntag
Trainer-Lehrgang in Freiburg - Fortsetzung der Ausbildung
November 2004 Dezember 2004  
20. November 2004
German Little Dragon Competition
in Freiburg
4. Dezember 2004
14. Traditioneller SHORAI-DO KEMPO-Cup in Halle (Saale)

18. Dezember 2004
Trad. Jahresabschluss-Lehrgang in Freiburg
 
Unsere Webseiten

Wir haben auf unseren Webseiten viele neue Inhalte hinzugefügt, u.a. wurde die Fotodatenbank neu aufgebaut, sowie die Wissensdatenbank erweitert.
 Unter Aktivitäten/Lehrgänge etc. findet Ihr künftig die jeweiligen Berichte von Lehrgängen, Wettkämpfen etc. Wir würden uns jedoch freuen, wenn Ihr uns Eure Meinung und Berichte zu den Veranstaltungen zusenden würdet. Der Besuch unserer Webseiten sollte einmal wöchentlich erfolgen, dann seid Ihr auf dem neuesten Stand. 1 Stunde/pro Woche dürfte jeder Zeit haben sich zu informieren.

Dojoleiter & Trainer

Für die Dojoleiter & Trainer wurde ebenfalls eine spezielle Seite eingerichtet. Hier findet Ihr alles, was für Eure Arbeit wichtig ist. Im Downloadbereich könnt Ihr diverse Formulare downloaden, aber auch Werbebanner und sonstige Dokumente.
Es wurde dort ein spezielles Forum eingerichtet, hier können wir über verbandsinterne Dinge diskutieren. Diese gehören nicht ins öffentliche Forum.

Budoshop

Der Budoshop geht in den nächsten 4 Wochen wieder online. Hier werdet Ihr wieder eine reichliche Auswahl an Budoartikel finden. Wir versuchen ständig qualitativ hochwertige Ware zu einem vernünftigen Preis zu beschaffen. Beachtet deshalb bitte die entsprechenden Angebote.

Das Ryu - an der Quelle entspringt der Fluss - ein wenig Geschichte zum Nachdenken

Ich bin nun schon sehr oft gefragt worden was man unter einem Ryu versteht. Nun, dies zu erklären ist auf der einen Seite sehr einfach, andererseits jedoch auch wieder etwas kompliziert. Ryu bedeutet: Ursprung, Wurzel, aber auch Zusammenhalt, Gruppe, Gemeinschaft.
Ein Ryu wird meist von einem Oberhaupt, sprich "Soke" geleitet, dieser sorgt für den Erhalt der Traditionen, die authentische Vermittlung der Kampfkünste und ist Stammhalter des jeweiligen Systems. Die "Älteren", Shihan Kyoshi etc. sind die Ausführenden in der Leitung eines Ryu. Das ein Ryu weit mehr ist (oder zumindest sein sollte), als eine bloße Aneinanderreihung von Techniken innerhalb eines Stiles (die nicht unbedingt einen kämpferischen Bezug haben müssen - Ryu finden sich im Tee-Weg ebenso wie in der Kalligraphie oder im Blumenstecken) ist wahrscheinlich den meisten unter uns bewusst. Doch damit stellt sich natürlich unweigerlich die Frage:

Was íst eine Ryu
Der Begriff "Ryu" und dessen originäre Bedeutung soll hierbei der Einstieg in ein Phänomen sein, das die Welt der japanischen Kriegs- und Kampfkünste über die Jahrhunderte hinweg beherrscht hat.
Das Kanji (Schriftzeichen) - als ryu oder alternativ auch als nagare zu lesen - bedeutet über das schon erwähnte "Stil/Schule" hinaus sinngemäß auch "Strömung". Schon der Begriff allein impliziert hier Bewegung und versinnbildlicht damit einen elementaren Wesenszug einer Ryu: den ununterbrochenen Fluss von Wissen aus der Quelle - dem eigentlichen Ursprung der Ryu also - über die Jahrhunderte hinweg bis in die Gegenwart.
Im Zusammenhang mit dem Entstehungsprozess einer Ryu, die sich meist auf eine, manchmal jedoch auch mehrere Gründerpersönlichkeiten, die man (Ryuso, Kaiso) nennt zurückführen lässt, stößt man auch immer wieder auf Beschreibungen mystischer Begebenheiten. So finden sich in den Überlieferungen einiger der renommiertesten Stile, wie beispielsweise der Shindo Muso-ryu oder der bereits erwähnten Take(no)uchi-ryu, Erzählungen über visionäre Eingebungen nach Perioden der Meditation, des Gebetes und intensivstem Training. Diese Visionen, gemeinhin als "Übertragung durch die Götter" (Tenshin Shoden) oder auch als "Übertragung durch einen göttlichen Traum" (Muso) bezeichnet, waren sozusagen Garant für die Einzigartigkeit des neuen Systems und bildeten damit einen zentralen Bestandteil in dessen Entstehung.
Allerdings darf man sich unter "Übermittlung" keine "Instant" -Version im Sinne von "heißes Wasser dazugeben, umrühren - fertig" vorstellen. Vielmehr waren diese Visionen häufig nur rudimentäre Einblicke in Prinzipien, deren Verstehen und Ausarbeitung immer noch ein recht menschliches Unterfangen darstellte. Oftmals waren Einsiedeleien in der Wildnis, in den Bergen, aber auch buddhistische Tempelanlagen und shintoistische Schreine in der Vergangenheit die Orte, an denen viele dieser Stile das "Licht der Kampfkunstwelt" erblickten. Eine nahezu einzigartige Verbindung von religiösem Zentrum und Kriegskunst findet sich hier seit alters her in der Kanto Region: Kashima-Jingu (der große Kashima-Schrein) und Katori-Jingu (der große Katori-Schrein), nur wenige Kilometer voneinander entfernt gelegen, sind hier beheimatet und mit vielen berühmten Namen in der Geschichte der japanischen Kriegskunst verknüpft. Das Aufkommen von Ryu, so wie wir sie heute kennen, ist ein Phänomen der Muromachi Ära (1333-1568), was jedoch nicht bedeutet, dass es vor dieser Zeit keine Zentren oder Gruppierungen gab, in denen Militärtaktiken und -praktiken geübt wurden.  Viele Gruppen, Familienclans etc. könnte man als eine Ryu bezeichnen. Einzig die Institutionalisierung - also die Weitergabe, Legitimation über und durch einen Lehrer, sowie das Erarbeiten eines spezifischen Curriculum, war zu dieser Zeit so noch nicht vorhanden. Ryu sind, wie man obigen Ausführungen entnehmen kann, also zum Teil mehrhundertjährige Traditionen (sog. Koryu), die über die Generationen hinweg von den jeweiligen Stiloberhäuptern (Soke, Shihan-ke) gepflegt und bewahrt wurden. Sie waren (und sind!) die Bindeglieder zum Ursprung, zur Quelle, über die der Schüler die Möglichkeit erhält einzutauchen in ein Wissen, welches das Wesen der Ryu ausmacht (diese direkte Übermittlung wird als Jikiden bezeichnet). Die Einsetzung als Stilvorstand regelt sich hierbei über ein System verschiedener Lizenzen (z.B. sog. Menkyo), ausgestellt vom vorherigen Oberhaupt der Ryu. Diese Dokumente untermauern das historisch gewachsene Recht an Namen und Inhalt der Ryu. Dies ist gleichbedeutend damit, dass, bis auf einige wenige Ausnahmen, in nahezu allen Koryu immer nur EINE Person existiert, die - sowohl in technischer als auch in kultureller Hinsicht - letztendliche Entscheidungsgewalt besitzt (eine Ryu ist also faktisch das persönliche Eigentum einer bestimmten Familie oder eines Stiloberhauptes).
Hier zeigt sich sehr deutlich der Unterschied zu eher modern ausgerichteten Disziplinen, wie beispielsweise Shotokan-Karate, Gojuryu-Karate, Kendo, (Seitei-Gata)-Iaido oder ähnlichem. Die Entscheidung, ob und in welchem Umfang z.B. Veränderungen vorgenommen werden obliegt hier einem Gremium. Allein die Seitei-Iai Kata und diverse Karate-Kata wurden seit ihrer Einführung schon mehrfach modifiziert, um diese wettkampftauglich zu machen. Diese relativ rasch aufeinanderfolgenden Eingriffe wird man in einer Koryu so nicht finden, da nach dem Selbstverständnis der Ryu die ihr innewohnenden Prinzipien, wie Eingangs schon erwähnt, auch als ein Manifest einer außergewöhnlichen mystischen Eingebung (Tenshin Shoden, Muso) zu werten ist. Dies bedeutet jedoch nicht, dass das "Bewahren der Ryu" gleichzusetzen wäre mit Stillstand oder mit dem konservieren von Techniken, da dieses einer Degeneration und somit einem Verlust von Lebendigkeit gleich käme (was ja auch völlig konträr zum Begriff "nagare = strömen" wäre). Eine Ryu lebt und atmet, existiert durch die den Kata zugrunde liegenden Prinzipien, deren Wesen (Ryugi) sich der Adept immer wieder aufs neue zu eigen machen muss. Aus deren erfolgreichen Adaption resultiert dann letztlich die Fähigkeit, auch mit sich ändernden Situationen erfolgreich umgehen zu können.

Nicht Jeder, der um Aufnahme in eine klassische Ryu ersucht, findet Gehör. Und so ist es auch (oder gerade) heutzutage etwas besonderes, wenn man die ersten Schritte in eine faszinierende Welt machen kann, die man bis dato bestenfalls aus Büchern oder (meist schlechten) Filmen kannte. Oftmals ist mit der Akzeptanz als Schüler auch eine spezielle Verpflichtung (Kishomon, Keppan) auf die Einhaltung der Grundsätze der Ryu verbunden. Der Novize unterzeichnet hierbei ein Dokument, das die Pflichten des Adepten gegenüber der Ryu festhält und regelt, wobei der benutzte Wortlaut zum Teil schon seit mehreren hundert Jahren in Gebrauch ist. Dies hat sich in der heutigen Zeit jedoch sehr stark verändert, da es hier mehr um Vereinsmeierei und Buhlerei um Mitglieder geht, als um den wahren Sinn einer Kampfkunst.

So erinnere ich mich noch an den Inhalt des Keppan (Eides) des Gotenpo (Goshinryu Kempo):

Wenn ich ein Mitglied des Goshinryu-Kempo  werde, welche durch die Überlieferung und Vermittlung der Gottheiten und der Ahnen und Urahnen übermittelt wurde, schwöre ich, über die Angelegenheiten der Ryu absolutes Stillschweigen zu bewahren.
Ich werde niemals die Unverschämtheit besitzen, die Techniken meiner Kampfkunst Nicht-Mitgliedern zu zeigen oder mit ihnen darüber zu diskutieren.
Ich werde mich niemals an irgendwelchen Glücksspielen beteiligen, noch regelmäßig verrufene Orte aufsuchen.
Ich werde niemals mit den Anhängern einer anderen Kampfkunst die Schwerter kreuzen, ohne den Nachweis über die vollständige Beherrschung meiner Kunst zu besitzen. Ich schwöre nun, mich genau an die oben genannten Artikel zu halten. Sollte ich gegen einen dieser Artikel verstoßen, werde ich mich der Bestrafung durch  buddhistische Gottheiten und meiner Ahnen, vertreten durch das Oberhaupt des Ryu unterziehen. Dieses schwöre ich feierlich und unterzeichne diesen Eid mit meinem eigenen Blut.

Nun mag man - "als aufgeklärter moderner Mensch" - nach lesen obiger Zeilen den Inhalt mit einem Schulterzucken abtun, und, da die eigenen religiösen Wurzeln meist in einer anderen Kultur verankert sind, auch die bei Nichtbeachtung angedrohten Strafen für als nicht relevant einstufen (...sind ja schließlich nicht meine Götter...). In diesem Falle sollte allein der Respekt vor einer andersartigen Kultur eine Unterzeichnung nicht leichtfertig sondern nur dann erfolgen lassen, wenn man sich der Tragweite seines Tun bewusst ist. Der Zeitpunkt, zu dem ein solcher "Eid" abgelegt wird, ist von Stil zu Stil unterschiedlich. Dies kann z.B. schon bei Eintritt in die Ryu, bei Ablegen der ersten Prüfung, oder bei einem anderen markanten Ereignis erfolgen. Heutzutage kommt man nicht umhin Informationen über die praktizierte Kampfkunst des Ryu zu geben, doch sind diese meist allgemein gehalten und die wahren Inhalte werden erst nach und nach an die Schüler vermittelt.
So wird beispielsweise der in der Tenshin Shoden Katori Shinto-ryu als Keppan bezeichnete "Bluteid" - ein Schwur der mit dem eigenen Blut aus einem kleinen Schnitt in den Finger besiegelt wird - ganz zu Anfang abgelegt, während die Adepten der Kashima Shin-ryu das Kishomon mit der als Kirigami bezeichneten ersten Prüfung unterzeichen. Erst jetzt ist man wirklich ein offizielles Mitglied der Ryu. Hieraus wird auch deutlich, das es nicht ausreichend ist, Techniken einer Ryu per Video oder "mal schnell" auf einem Wochenendseminar (sofern dies überhaupt angeboten wird) "zu erlernen", um sich danach als der Ryu zugehörig zu fühlen. Dies kann nur durch die unmittelbare Akzeptanz als Schüler durch das momentane Stiloberhaupt erfolgen - einen anderen Weg gibt es nicht.

Was sein wird...

...vermag natürlich niemand zu sagen. Zu hoffen bleibt jedoch, daß es auch in Zukunft möglich sein wird, in Traditionen einzutauchen die - an den Maßstäben der modernen, westlichen Welt gemessen - auf den ersten Blick keinen unmittelbaren Nutzen bieten. Wagt man es jedoch über den eigenen kulturellen "Tellerrand" hinauszublicken ", so bieten diese Disziplinen einen körperlich erfahrbaren Weg zurück in eine Zeit, die uns ansonsten für immer verschlossen bliebe... . Ich hoffe, dass wir neben allen Neuschöpfungen von Systemen und Stilen, allem sportlichen Ehrgeiz, der Vereinsmeierei etc. noch Schüler finden, die sich der Tragweite und Bedeutung eines Ryu bewusst werden.

Heinz Köhnen
Soke Tamashii-ryu
Menkyo Kaiden Goshinryu Kempo